In der besonderen Atmosphäre des Schlossgartens bezaubert die Stadtkapelle Rain mit spektakulärer sinfonischer Blasmusik.
Von Beate Schwab, 28.07.2026
Rain Das mit zarten Farben illuminierte Rainer Schloss, die duftenden Blumenbeete im Schlossgarten und eine laue Sommernacht bildeten die Kulisse für die Sommerserenade der Stadtkapelle Rain. Der Charme und die Atmosphäre des Spielortes verbanden sich mit einem anspruchsvollen Programm von Marsch und Volksmusik bis zu Musical und Pophits zu einem wunderbaren Open-Air-Konzertabend.
Der musikalische Auftakt gehört bei der Sommerserenade der Rainer Stadtkapelle traditionell dem Nachwuchs, und so hieß es zu Beginn: Manege frei! Dem Vorstufenensemble war bei seinem Auftritt die Freude anzumerken, hochmotiviert begannen die jungen Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Cathy Smith mit einem Stück voller Zirkusluft. „Circus Fantasia“ präsentierte temporeich und temperamentvoll Clowns, Reiter und Trapezkünstler in einer ausgelassenen Vorstellung. Beeindruckend vertonte anschließend „Fires of Mazama“ die bedrohliche Stimmung eines Vulkanausbruchs. Nach dessen letzten aufregenden Momenten folgte mit „Happy“ der fröhliche Hit von Pharell Williams. Bei dem mitreißenden Ohrwurm war die Jugendkapelle so richtig in ihrem Element und brachte ihr Publikum mit den energiegeladenen Rhythmen zum Mitwippen und Mitsummen.
Das große sinfonische Orchester, als eines der besten Laien-Orchester Deutschlands ausgezeichnet, stimmte danach mit Dirigent Andreas Nagl schwungvoll an mit dem schneidigen Konzertmarsch „Mars der Medici“ von Johan Wichers, schmissig und zackig interpretiert, wobei alle Instrumentengruppen gleichermaßen brillierten. Der Komponist widmete dieses Stück den Ärzten, die ihn während einer längeren Krankheit behandelten – „Musik ist die Medizin des Geistes“, wie Moderator Marco Roger charmant bemerkte. Mit der „Folk Song Suite“ von Ralph Vaughan Williams, ursprünglich für eine Militärkapelle komponiert, klangen englische Volkslieder durch den Schlossgarten. In drei Sätzen leuchtete das Orchester im dynamisch bestens ausgesteuerten Wechselspiel der Instrumentengruppen die Facetten dieser Volksmusik mit zwei Märschen und dem anrührenden Zwischenspiel „My Bonny Boy“ aus.
Ein wunderbarer Spannungsbogen
Von England aus führte das abwechslungsreiche Programm zu einem Faschingsball nach Wien, mit der Schnellpolka „Vergnügungszug“ von Johann Strauß (Sohn) ging es für das Publikum mit dem bestens aufgelegten Ensemble auf eine beschwingte Eisenbahnfahrt. Mit dem Schlagen der Trommel und dem Warnsignal der Trompeten ruckelte der Zug vergnügt durch das nächtliche Rain. Und schon ging die Traumreise weiter in die faszinierende Welt des Musicals. Die weltberühmten Melodien aus Andrew Lloyd Webbers „The Phantom of the Opera“ zauberten eine magische Atmosphäre in den Schlosshof. Technisch hochanspruchsvoll wurden die großen Gefühle nachempfunden, unsterbliche Liebe und glühende Leidenschaft fesselten das Publikum in einem atemberaubenden Medley. Bei den dramatischen, opernhaften Passagen und den zarten Balladen zog die Stadtkapelle alle Register – Gänsehautfeeling pur.
Den krönenden Abschluss des Abends bildete ein Medley mit den größten Hits von Phil Collins. „Something happend on the Way to Heaven“ mit seinem legendären Intro, „A Groovy Kind of Love“, die romantische Liebesballade, „Easy Lover“ und „Take me Home“ rissen das Publikum in einem fein differenzierten Arrangement fast von den Sitzen. Herausragend dabei verschiedene Soli, unter anderem von Tenorsaxophon und Trompete. Bei der Zugabe „Those were the Days“ übertrug sich die spürbare Spielfreude des Orchesters noch einmal auf das Publikum, das begeistert zum sich steigernden Rhythmus mitklatschte, bis mit den ruhigen Tönen von „Der Mond ist aufgegangen“ ein wunderbarer Abend endete.