Von Herr der Ringe bis Godzilla: Stadtkapelle Rain sprengt alle Erwartungen

Das sinfonische Blasorchester brilliert unter Dirigent Andreas Nagl mit regelrechten Inszenierungen. Die Reise von Mittelerde bis Irland liegt auf höchstem Niveau.

RAIN, von Beate Schwab, 26.04.2026
Bilder: Simon Bauer

Das Frühjahrskonzert Stadtkapelle Rain geriet einmal mehr zu einem mitreißenden Spektakel aus hohem musikalischen Können und der Präsentation großer Werke.

Sinfonische Blasmusik auf allerhöchstem Niveau, garniert mit Pappfiguren aus dem Kinohit „Herr der Ringe“ und einem leibhaftigen Monster: Die Stadtkapelle Rain unter der Leitung von Andreas Nagl nahm das Publikum beim Frühjahrskonzert im ausverkauften Schulzentrum Rain mit auf eine fantastische musikalische Reise.

Von der grandiosen Kulisse mit der imposanten Stadtkapelle vor ausverkauftem Haus zeigen sich an diesem Abend der Vorsitzende Christoph Heider und Bürgermeister Karl Rehm in ihren Grußworten gleichermaßen begeistert. Mit dem überwältigenden ersten Teil des Frühjahrskonzerts, Johan de Meijs preisgekrönter Sinfonie „Der Herr der Ringe“ nach Motiven aus Tolkiens gleichnamigem Klassiker, beginnt dann eine bezaubernde musikalische Reise.

Das höchst anspruchsvolle Werk ist keine Sinfonie im klassischen Sinn, eher eine Suite von fünf sinfonischen Gedichten, in der Form frei und intuitiv. „Eine Herausforderung für uns Musiker“, sagt Moderator Marco Roger in seiner Begrüßung. In fünf eigenständigen Sätzen stellt die Komposition wichtige Episoden oder Personen des Buches vor. Beeindruckend präsentiert das ambitionierte Ensemble, als eines der besten Laien-Blasorchester Deutschlands ausgezeichnet, das atemberaubende Werk, wobei alle Instrumentengruppen gleichermaßen brillieren, wundervoll in Szene gesetzt durch die Illustrationen von Linda Mosena. „Gandalf“, der erste Satz, ist das musikalische Portrait eines der Hauptcharaktere der „Herr der Ringe“-Trilogie.

Ein wunderbarer Spannungsbogen

Der weise Zauberer Gandalf wird mit einem majestätischen, getragenen Motiv beschrieben, gefolgt von einem wilden Ritt auf seinem Pferd, bei dem das ganze Orchester mitgaloppiert. Der zweite Satz, „Lothlorien“, versetzt das hingerissene Publikum in den Elbenwald mit exotischen Pflanzen, Vögeln und stattlichen Bäumen. Nach einem sehr sanften, mystischen Beginn mit tiefen Flöten führt der Spannungsbogen weiter zum dritten Satz, „Gollum“. Dieser Satz ist der bizarrste von allen, als ob das abscheuliche Monster Gollum plötzlich auf die Bühne springt.

Dargestellt durch ein grandioses Sopranaxofon-Solo von Christian Klingenbeck zeigt die schleimige Kreatur ihre Zerrissenheit, tölpelhaft tanzend, kichernd und hinterhältig.  In diesem wilden Satz glänzt auch Solist Christoph Scherup an der Posaune. Der vierte Satz, „The Journey in the Dark“, bildet den dramatischen Höhepunkt der Sinfonie. Der fortlaufende, monotone Rhythmus der tiefen Bässe nimmt das gebannte Publikum mit auf die gefährliche Reise der Gefährten des Rings. Im letzten Satz „Hobbits“ wird es friedlich, ein fröhlicher Tanz der Hobbits endet in einer imposanten Hymne. Wie es dem Orchester gelingt, dieses emotionale Werk in eine aufwühlende Klangsprache zu übertragen, reißt das Publikum förmlich von den Sitzen und wird mit langanhaltendem Beifall und Bravorufen belohnt.

Ein großer Spaß für Orchester und Publikum

Nach diesem orchestralen Beginn bringt der zweite Teil des Abends schwungvoll eine frühlingshafte Leichtigkeit mit. „Die Sonne geht auf“, ein traditioneller Marsch, bei dem sich alle Register profilieren können, fesselt mit vergnügter Wanderlaune. Aus dem prachtvollen Sonnenschein wird das Publikum dann aber jäh in einen Monsterfilm aus den 50-er Jahren versetzt. 

„Godzilla eats Las Vegas“ von Eric Whitacre, wieder ein höchst anspruchsvolles Stück, mit einem Wechsel zwischen rund 30 verschiedenen Stilrichtungen und Rhythmen, verlangt von den Musikerinnen und Musikern zusätzlich zu den musikalischen Effekten auch noch schauspielerisches Talent. Sie rufen, klatschen, marschieren und kreischen, als tatsächlich Godzilla leibhaftig auftaucht und durch die Aula marschiert. Mit Elvis Presley-Sonnenbrillen stoßen sie schließlich im goldenen Konfettiregen miteinander an, um den Sieg über das Monster feiern. Ein großer Spaß für das Orchester und das überraschte Publikum!

Und dann ein spektakuläres Finale

Die fantastische musikalische Reise führt zum Schluss auf die grüne Insel mit dem Medley „The Amazing Sound of Ireland“ kann das Orchester noch einmal seine große Spielfreude zeigen. Die Sinfonie für großes sinfonisches Blasorchester verbindet einige der bekanntesten irischen Melodien, von „Lord of the Dance“ bis zur herzergreifenden Ballade „Danny Boy“. Matthias Kitzinger mit seinem Tenorhorn-Solo und Cathy Smith mit Piccoloflöte und Tin Whistle sorgen dabei im Orchester für den typischen irischen Sound

Beim spektakulären Finale „Planet Ireland“ dürfen sich die Schlagzeuger
so richtig austoben, mit ihren Sticks geben sie auf einem Tisch den
immer schnelleren Rhythmus vor und treiben ihr Orchester noch einmal zu
Höchstleistungen an. Dieses energiegeladene Finale wird vom Publikum
enthusiastisch gefeiert, mit Standing Ovations werden noch zwei Zugaben
erklatscht. Ein hochkarätiges, mitreißendes Konzerterlebnis!