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Abriss der Rainer Blasmusikgeschichte

Seit 1620 ist die Pflege der Blasmusik in der Stadt Rain urkundlich nachweisbar. Eine ausführliche Chronik enthält unsere Festschrift „30 Jahre Stadtkapelle Rain“ von 1986, die im Rathaus Rain (Herr Riehl) noch erhältlich ist.

1620
Älteste Nachweise. Turmwache und Musikmeisteramt waren in der altbayerische Grenzfeste über Jahrhunderte bis 1887 miteinander verbunden. Die zwei ältesten Nachweise über Blasmusikpflege in Rain sind von 1620: in der Stadtkammerrechnung sind für den Türmer und seinen Gesellen 52 Gulden Jahresbesoldung ausgewiesen. Im gleichen Jahr wurde Türmer Caspar Reitter mit einer Geldbuße belegt, weil er jemandem verbotenerweise das Stadttor öffnete, berichten die Stadtakten.

1644
Die Aufgaben des Stadttürmers sind in einem Brief des seit drei Jahren in Rain tätigen Andreas Koboldt an den kurfürstlichen Hofrat in München nachgewiesen: Aufsehen auf durchreisende Leute mit „Anblasung derselben“ (es war Dreißigjähriger Krieg), Mitwirkung im Gottesdienst, Tag- und Nachtwache auf dem Turm mit Schlagen der Uhr und Anstellung eines Gesellen. Seine Besoldung durfte er durch Aufspielen bei Hochzeiten, Kirchweihen und Handwerkerjahrtagen aufbessern. Er hatte diesbezüglich sogar ein Vorrecht zum Aufspielen in der Stadt und im Gerichtsbezirk Rain als Entschädigung für die Turmwache. Wegen dieses Vorrechts kam es bis ins 19. Jahrhundert immer wieder zu Streitigkeiten, z. B. mit den Musikern aus Thierhaupten. In der Kriegszeit war ihm das Aufspielen untersagt, weshalb sich Koboldt 1644 über den Einnahmeausfall beklagt.

1744-1753
Die Akten beim Wechsel in der Person des Türmers bestätigen die Doppelfunktion von Türmer und Stadtmusikus sowie dessen Pflichten und Rechte. Die Ausschreibung von 1753 zeigt aber auch die überörtliche Dimension des Türmerberufes: Bewerbungen kamen aus Kelheim, Wemding, Neuburg, Schrobenhausen und Dietfurt (Sebastian Danner von dort wurde eingestellt)

1798-1839
Friedrich Schremmel von Moßbach in der Pfalz übernahm durch Vertrag mit seinem Vetter Wendelin Schremmel, dessen Gehilfe er schon seit 1790 gewesen sein dürfte. Seine Besoldung waren 56 Gulden von der Stadtkammer, 27 Gulden von den Rainer Kirchenkassen, 28 Gulden Wertanschlag für Natuarlien und 15 Gulden vom Gerichtsbzeirk für die Feuerwache. Das Privileg des Aufspielens bei Hochzeiten, Kirchweihen und sonstigen Tanztagen brachte 50 Gulden. Die Pflichten von Schremmel sind detailliert im Stadtarchiv festgehalten. Im aktenkundigen Streit zwischen Stadt und Türmer einerseits und Gemeinde, Wirten und Musikern von Thierhaupten andererseits sind die aktiven Laienmusiker in den Dörfern des Gerichtsbezirks festgehalten. Musikanten gab es in Thierhaupten (7), Gempfing, Illdorf, Ebenried (je 3), Schainbach, Neukirchen (je 2) sowie Oberpeiching, Sallach, Buch, Schönesberg und Haselbach (je 1).

1839-1845
Mit dem Tod von Friedrich Schremmel (1839) war der Niedergang einstiger Türmerherrlichkeit vorgezeichnet. Eine Verordnung der Regierung von 1837 schaffte das Vorrecht des „Aufspielens“ für künftige Türmer ab. Zusammen mit den Übergangslösungen, die bis 1845 andauerten, bedeutete dies ein Erstarken der Laienmusikanten und spürbaren Einkommensverlust für Türmer und Stadtmusikus.

1845-1887
Unter Leitung des neuen, musikalisch hervorragend qualifizierten Stadttürmers Christian Kunz sorgte eine Blaskapelle mit sieben Mann für Musik in der Kirche, beim Tanz, auf Hochzeiten und bei Beerdigungen. Christian Kunz und war ein Bruder des Komponisten der Bayernhymne, Konrad Max Kunz. Für die Turmwache bestellte er einen Vertreter. Christian Kunz war erfolgreich als Orgelbauer tätig. Da Kunz ein versierter Berufsmusiker war und unter seinen vielseitigen Kenntnissen auch das Arrangieren von Blech- und Harmoniemusik herausgestellt ist, kann von einem guten Standard dieser Rainer Blaskapelle ausgegangen werden. Mit seinem Tod endete die „hauptberufliche“ Besetzung der Stelle des städtischen Musikmeisters

1854-1863
Der „geschlossene Musikverein zur Erhaltung und Beförderung musikalischer Kenntnisse und Erhöhung des geselligen Vergnügens“ ist im Stadtarchiv nachweisbar; dieser Verein bestand schon bis 1849, damals hatte er sich aufgelöst. Was der Verein konkret leistete und wann er sich zum zweiten Mal auflöste, geht aus den Stadtakten nicht hervor.

1887-1914
Es bestand eine ausschließlich mit Laien besetzte Musikkapelle Rain, 1895 in der Lokalpresse auch „unsere wackere Musikkapelle“ bezeichnet.

1914-1921
Während und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg ist in Rain keine Blaskapelle nachweisbar. 1920/21 bestand ein Streichorchester Rain unter Leitung des Chorregenten der Stadtpfarrkirche.

1925-1955
Der 1925 gegründete Musikverein ist Vorläufer der heutigen Stadtkapelle, da eine Reihe seiner Mitglieder den heutigen Verein gründeten. Finanzielle Probleme kennzeichneten den Weg dieser Blaskapelle, der die Stadt zur Gründung unter Verpfändung der Blechinstrumente einen Kredit von 1650 Mark gewährte. 1931 wurden die Instrumente Stadteigentum, dafür brauchte der Kredit nicht mehr zurückgezahlt zu werden. Durchschnittlich 15 Musiker gehörten der Kapelle an. Die ursprüngliche Blechblasmusik wurde im Frühjahr 1930 um Holzbläser erweitert. Seit 1931 waren alle Musiker beim Roten Kreuz und bildeten damit gleichzeitig die „Sanitätskapelle Rain“. Die Musiker traten wechselweise in der gewöhnlichen Uniform und der des Roten Kreuzes auf. In den 1930er Jahren besaß man zusätzlich eine Streichmusikgruppe und 1937/38 ein Jugendorchester. Anfangs des Zweiten Welt- krieges musizierte die Kapelle noch, als aber ab 1941 fast alle Männer zum Kriegsdienst eingezogen waren, ruhte der Betrieb zwangsläufig. Unmittelbar nach Kriegsende waren Vereine verboten. Die Musikkapelle wurde im März 1947, das ist relativ früh, bereits wieder mit neuem Leben erfüllt. In die Kapelle integrierten sich in Rain wohnhafte Heimatvertriebene und Flüchtlinge, so daß wieder eine Stärke von 15 Mann erreicht werden konnte.

1955-1990
Stadtkapelle Rain. Die Mitgliederzahl der anfangs 22 Musiker zählenden Kapelle verringerte sich insbeson ders durch beruflich bedingte Wegzüge, so daß man sich in den späten 1960er und in den 1970er Jahren mit Aushilfen, insbesondere von der Trachtenkapelle Oberndorf, behelfen mußte. Die Dezimierung der Kapelle war auch ein Ausfluß der fehlenden Jugendarbeit und Musikausbildung. Trotzdem hatte die Stadtkapelle einen guten Namen und sicherte ihren Fortbestand durch ständige Proben und Auftritte. Mit dem Einbau von Musikern aus der drei Jahre vorher gegründeten Jugendblaskapelle konnte die Stadtkapelle ab 1981 zu einem Orchester mit 30 Musikern ausgebaut werden. Wurde das 25jährige Jubiläum noch in kleinem Rahmen gefeiert, so erlebte Rain vom 2. bis 4. Mai 1986 erstmals ein großes Musikfest mit gemeinsamen Chor auf dem Rathausplatz.

1978-1990
Jugend-Stadtkapelle (e. V.). Initiiert von Bürgermeister Karl Würmseher und Stadtrat Mathias Eisenbacher wurde eine Jugendblaskapelle ins Leben gerufen, die sich vor allem der Ausbildung des Nachwuchses verschrieben hatte und kleinere Festlichkeiten musikalisch umrahmte. Mit der Tragung der Ausbildungskosten leistete die Stadt einen wesentlichen Beitrag zu dem hohen Leistungsstand, den die Jugend sehr rasch erreichte. Ab 1981 waren viele der Leistungsträger dieser Jugendkapelle gleichzeitig in der Stadtkapelle integriert. Die Jugend-Stadtkapelle wurde 1983 eingetragener Verein und richtete vom 26. bis 28. August 1988 das 1. Bezirksmusikfest des damals neugegründeten „Bezirks 16 Donau-Ries“ des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes zur besten Zufriedenheit des Verbandes aus.

1990-heute
Stadtkapelle Rain e. V. Am 19. Januar 1990 fusionierten die Stadtkapelle Rain und die Jugend-Stadtkapelle Rain e. V. zur „Stadtkapelle Rain e. V.“. Die größeren Anteile brachte in die Fusion, was überraschen mag, die Jugend-Stadtkapelle, ein: 47 Aktive, 150 Fördermitglieder, praktisch die gesamte Führungsmannschaft, dann auch die erfolgreiche Beteiligung an Wertungsspielen sowie die Vereinsregister-Eintragung. Die Stadtkapelle, in der viele Jugendliche ständig aushalfen, hatte nur noch 7 Aktive und sie gab dem neuen Verein ihren Namen. Eine sehr beachtliche Leistungssteigerung konnte in der Folge verzeichnet werden, was sich am besten durch die anspruchsvollen Konzertprogramme und die hervorragenden Presseberichte unterstreichen läßt.

1997
Die Verleihung der PRO-MUSICA-Plakette durch Bundespräsident Roman Herzog im Jahr 1997 ist Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte. Prof. Karl Kling, Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, überreichte die Auszeichnung bei einem Festakt im großen Saal des Kath. Pfarrzentrums „St. Johannes der Täufer“ am 21. Juni 1997. Den hohen Standard unterstrich die Stadtkapelle in den Jahren 1997 bis 1999 insbesondere durch ihr Frühjahrskonzert und ihr Kirchenkonzert.

2005
Die Stadtkapelle Rain feiert am 18. und 19. Juni 2005 ihr 50-jähriges Bestehen. In dieser Zeit ist viel passiert und viel bewegt worden. Doch eines ist gleich geblieben . die Freude
am Musizieren!

2007
An dem Wertungsspiel trat die Stadtkapelle Rain in der Höchstufe an.

2010
Die Stadtkapelle begleitet die Stadt Rain nach Ungarn (Taksony).

2012
Flicorno D’oro in Riva del Garda.
Jubiläumskonzert in der Dreifachsporthalle mit 400 Mitwirkenden.

2016
Wertungsspiel in Marktoffingen.
Am 09.April fand in der Mehrzweckhalle in Warktoffingen das Wertungsspiel für Blasmusik des ASM Bezirk 16 statt. Ausrichter war die Trachtenkapelle Marktoffingen.
Neben der Stadtkapelle Rain, haben sich noch viele weitere Musikvereine hierzu angemeldet, um ihre Vorträge von der vierköpfigen Jury bewerten zu lassen. Die Stadtkapelle Rain trat mit 78 Musikern in der Höchstufe an. Mit dem großen synfonischen Blasorchester präsentierte Dirigent Andreas Nagel der Jury das Selbstwahlstück „Synergy Rising“ von Ryan Nowli und als Pflichtstück „Of Sailors and Whales“ von W. Francis McBethLegend. Die Jury bewertete in einer offenen Wertung unter anderem die Dynamik / Klangausgleich, die Technische Ausführung, Stückwahl und Leistungsfähigkeit uvm.
Das Ergebnis der Jury lautete „Mit ausgezeichnetem Erfolg“ – 93 Punkte.